Tod und Teufel – Teil 2

Veröffentlicht Januar 3, 2011 von Amvita

„Meldek?“ Sie sah um sich, als befände er sich irgendwo um sie herum in der Luft und könnte gleich aus ihr heraus ins Sichtbare treten. Doch sie erhielt keine Antwort und nichts rührte sich. Es war lange her, dass sie sich gesehen hatten, doch sie wusste, dass er immer da war. Sie dachte an seine Worte. Sie müsse ihren Weg nun, da sie wisse worum es ging, selbst finden, müsse selbst herausfinden, wie sie ihre Flügel gebrauchen und sich selbst finden könne. Sie wusste, er wiederholte niemals eine einmal gegebene klare Antwort, wenn er wusste, dass sie verstanden wurde, deshalb wunderte sie sich auch nicht sehr, dass er nicht antwortete.

„Sprich mit ihm selbst!“ Die Worte stiegen unversehens in ihr auf. Sie lauschte fragend nach innen und vernahm weitere Worte: „Nun, Meldek sagte, du seist selbst der Tod. Somit solltest du nicht außen suchen, wenn du etwas über den Tod wissen willst, sondern innen!“

„Meldek?“ fragte sie wieder, hoffend. Doch er war es natürlich nicht, der gesprochen hatte. Sie ahnte, dass sie sich selbst schon näher gekommen war, als sie es für möglich gehalten hätte, doch konnte sie noch nicht glauben, in sich selbst die richtigen Antworten finden zu können. Doch nun wollte und musste sie es versuchen.

Sie setzte sich hin, schloss die Augen und ließ zuerst, wie immer, alle Gedanken davon schweben. Sie sah ihnen nach und blieb ganz ruhig bei sich.

„Tod?“ „Wer bist du?“ „Wo bist du?“ Sie sandte diese Fragen aus und ließ auch sie davon schweben. Sie hatte gelernt, dass man eine Frage nicht behalten durfte, wenn man eine Antwort suchte. Eine Frage war eine Seite der Medaille. Um die andere Seite, die die Antwort zeigen würde, erhalten zu können, musste man die Medaille umdrehen. Das heißt: die Frage völlig aufgeben und sie ganz vergessen. So saß sie nun da, gedankenlos, leer, ohne Fragen.

Irgendwann spürte sie Wärme. Jemand näherte sich, so fühlte es sich an. Aus einem hellen Nebel hob sich eine Gestalt ab. Es war ein Wesen, das wie ein wunderschöner Engel aussah. Sein Gesicht strahlte lächelnd und mit jeder Bewegung strömte er Wärme und Liebe aus. Vor ihm lag friedvoll und ruhig ein sterbender Mensch. Der Engel deckte den Sterbenden mit unfassbar großer Liebe und Sanftheit zu. Im selben Tempo wie er die Decke über den sichtbaren Körper des Sterbenden zog, verließ der darin wohnende Geist diesen Körper und floss mit einer ungeheuren Leichtigkeit aus ihn heraus. Er sah wie der Körper aus, nur ganz transparent und hell leuchtend. Wie magnetisch angezogen schmiegte sich der transparente Geistkörper – man könnte es wohl auch Seele nennen – an den Engel und wurde von diesem umarmt.

So stand der Engel nun da, strahlend, und sah sie direkt an. Sie war zutiefst beeindrduckt und berührt und spürte den Impuls, sich vor der mächtigen liebenden Energie dieses Engels zu verbeugen. Sie tat es. Nie hatte sie etwas Schöneres und Liebevolleres gesehen und gespürt. Sie wusste jetzt genau, wer dieser Engel war.

„Du bist der Tod!“ sagte sie. Er strahlte noch mehr. Der Tod war kein knöchriger schwarzer Sensenmann, vor dem man sich fürchten musste, sondern ein wunderschöner, liebender Engel. Eine Erinnerung stieg in ihr hoch. Sie hatte das doch schon als Kind gewusst! Im selben Moment hörte sie den Engel sprechen.

„Als du ein Kind warst, kanntest du mich genau und warst dir meiner in dir ganz bewusst. Immerhin eine kleine Erinnerung hast du dir von damals bewahrt, wenn es auch nur ein kläglicher Rest ist, so hat er dich doch durch alle Schwierigkeiten deines Lebens begleitet und war dir ein Trost. Geh zu dem Kind und frage es, wenn du mehr wissen willst!“

Die strahlende Aura des Engels vibirierte mehr und mehr und schließlich verschwand er mit der an ihn geschmiegten glücklichen Seele im gleißenden Licht.

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