Tod und Teufel – Teil 1

Veröffentlicht Januar 3, 2011 von Amvita

„Du bist der Tod und er der Teufel! Tod und Teufel seid ihr beiden“, Meldek lächelte als hätte er ihr und ihrem Partner, der nicht anwesend war, ein Kompliment ausgesprochen und hätte eigentlich Dank verdient, würde jedoch stürmischen Protest erwarten. All das konnte sie deutlich aus seinem Gesicht herauslesen, das sie inzwischen so gut kannte.

Sie blieb stumm, doch ließ ihn mit ihrem Blick und einem leichten Heben der Augenbrauen wissen, dass er weitersprechen sollte. Er tat es gerne und auf eine eigentümliche Art triumphierend, so als könnte er endlich eine Wahrheit sagen, die lange darauf gewartet hatte, endlich gesprochenes Wort zu werden.

„Hast du dich je gewundert, dass die Leute von dir fasziniert sind, jedoch Abstand halten? Und das nicht, weil du unfreundlich wärest. Nein, ganz im Gegenteil. Es gibt äußerlich besehen keinen Grund dafür, und sie könnten auch selbst keinen nennen. Sie würden, darauf angesprochen, vielleicht sagen, sie hätten ein eigenartiges Gefühl in deiner Gegenwart, aber selbst dies dürfte nur einigen wenigen bewusst geworden sein. Die meisten hätten keine Antwort auf ihre Reaktion dir gegenüber. Der einzige, der deine Nähe nicht fürchtet, der einzige, der deine Energie aushält und der dich lieben kann ohne das Gefühl zu haben unterzugehen, ist der Teufel.“

„Du bist völlig verrückt!“ Sie sah ihn direkt an. Einerseits war sie erschrocken, es war ja verrückt und völlig inakzeptabel, was er da sagte; doch andererseits hatte sie ihm fasziniert und neugierig gelauscht. Ihre Worte, er sei verrückt, waren viel zu ruhig gesprochen, als dass sie hätten aussagen können, was ihre äußere Bedeutung war. In Wirklichkeit lauteten sie: „Ich weiß!“ Und so verstand er sie auch… er fuhr lächelnd fort.

„Und dein Partner, auf ihn fliegen die Leute, nicht wahr, das wissen wir ja beide. Er redet und sie lieben, was er redet. Er ist überaus beliebt. Er sagt, ob er will oder nicht, den Leuten die Wahrheit auf den Kopf zu, und zwar in sehr deutlichen Worten. Und dennoch sind sie ihm niemals böse, laufen ihm nach, wollen mehr…“, er lachte laut auf… amüsiert. „Die unterschiedlichsten Leute fühlen sich von ihm angezogen, nicht wahr?!“

Er hatte Recht. Er hatte in allem Recht. Es war offensichtlich. „Und was soll ich damit tun?“, fragte sie ihn. Sie wusste um Meldeks uneigennützige Liebe zu ihr ebenso wie um seine alles durchdringende Aufnahmefähigkeit der sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Ohne diese beiden wesentlichen Dinge wäre er wirklich einfach nur ein Irrer gewesen, was er für viele auch war, die ihn nicht verstehen konnten. Und ohne auch nur eines der beiden hätte sie ihm nicht vertraut. Aber so war ihr Vertrauen gar keine Frage.

„Lebe es. Lebe was du bist!“

„Wie soll das gehen?“ fragte sie, lauter und etwas ungeduldig.

„Das musst du ganz alleine herausfinden. Vielleicht musst du darüber sprechen, ganz konkret, oder etwas sichtbar demonstrieren. Finde einen Weg für dich, das ist deine Aufgabe! Alles andere kann nicht deine Sache sein. Von nichts anderem wirst du dich erfüllt fühlen. Nichts anderes wird Erfolg haben.“

Sie wusste um die Wahrheit seiner Worte, doch wie sollte es ihr möglich sein, diesen Weg zu finden? Es war unmöglich. Nicht lebbar. Paradox. Sie hatte andere Dinge probiert. Sie waren entweder tatsächlich nicht erfolgreich, wie er gesagt hatte, oder sie beendete sie, nachdem sie zu einem Erfolg geworden waren, selbst. Ohne zu wissen weshalb, wie von einer unbekannten inneren Kraft angetrieben. Kompromisslos und ohne jegliches Bedauern. Manchmal litt sie darunter, doch im tiefsten Inneren spürt sie einen Grund, eine Basis oder Quelle, die ihr den spürbaren Beweis gaben, dass es so richtig und in Ordnung war. Und auf diese Weise lebte sie ja doch, was er ungeheurerweise gesagt hatte, dass sie sei, obwohl sie es nicht beabsichtigte.

Nun – viele galaktische Perioden nach jenem Gespräch mit Meldek – war sie an einem Punkt angekommen, wo all dies offensichtlich wurde. Und wo ihr klar wurde, dass sie diesen Weg, der ihrer war, nun direkt gehen musste, egal wie unglaublich diese ganze Sache auch war. Andere Wege waren jetzt keine Option mehr. Umwege oder Warteschleifen gab es nicht mehr. Die Wände des Lebens wurden enger und enger, je mehr sie einen Weg suchte, der diesem einen widersprach, denn sie widersprach damit ganz offensichtlich dem Leben in sich selbst. Indem sie diesen Gedanken endlich voll und ganz zuließ, ging es ihr besser. Jedoch musste sie das Versprechen nun auch erfüllen. Es war kein Spiel und es gab kein Ausweichen mehr.

Ende Teil 1

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